Spielwoche

25.8.2016 - 31.8.2016

Frankreich 2015
78 min. FSK 0
Regie
Marie Belhomme
Drehbuch
Marie Belhomme, Michel Leclerc
Darsteller
Carmen Maura
Isabelle Carré
Philippe Rebbot
Verleih
Neue Visionen

Die fast perfekte Welt der Pauline

Die Irren und Wirren des Lebens einer quirligen jungen Dame. Pauline (Isabelle Carré, „Familie auf Rezept”, „Die Sprache des Herzens”) hat es mit fast vierzig Jahren nicht sehr weit gebracht. Ihre Mitbewohnerin ist eine kleine Maus und ihr noch kleineres Gehalt verdient sie als Alleinunterhalterin auf Parties. Als sie eines Tages wieder einmal im Darth Vader Kostüm von Party zu Party hetzt, begegnet sie dem völlig überrumpelten Fabrice (Phillippe Rebbot, „Familie zu vermieten”), der einen Abhang hinunter und anschließend ins Koma fällt. Pauline flüchtet, um nicht zu spät zu ihrem Auftrag zu kommen, besucht den schwer verletzten Fabrice aber später im Krankenhaus. Von ihrer Schuld überwältigt, beginnt Pauline sich um den Mann zu kümmern. Sie dringt immer weiter in sein Leben ein, trifft sich mit seinem kleinen Sohn, übernimmt seinen Job als Musiklehrer. Es entwickelt sich eine immer größere Bindung zu Fabrice, bis dieser tatsächlich eines Tages aufwacht. Die französische Tragikomödie ist das Filmdebüt der Französin Marie Belhomme. Neben der Regie zeigt sie sich auch für das Drehbuch verantwortlich
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* in OmU (Original mit dt. Untertiteln)
Deutschland 2016
162 min. FSK 12
Regie
Maren Ade
Drehbuch
Maren Ade
Darsteller
Michael Wittenborn
Peter Simonischek
Sandra Hüller
Verleih
NFP

Toni Erdmann

Mit Perücke und falschem Gebiss versucht ein Vater sich an seine emotional erkaltete Tochter heranzutasten. Maren Ades Erfolgsfilm, der Cannes diese Jahr im Sturm eroberte und doch keine Auszeichnung bekam. Der Musiklehrer Winfried (Peter Simonischek) besucht spontan seine Tochter Ines (Sandra Hüller), die gerade in Rumänien als Unternehmensberaterin lebt und arbeitet. Ines erfüllt ihre töchterlichen Verpflichtungen gegenüber ihrem Vater, aber mehr war bis jetzt niemals drin. Winfried ist zudem kein leichter Umgang, momentan ist er etwas traurig weil er seinen Hund verloren hat, und sonst ist er gern zu launigen, etwas altbackenen Scherzen und Streichen aufgelegt, mit denen er auch gerne mal sein Umfeld testet. In Bukarest angekommen, wird Winfried von Ines zu ihren Terminen und Empfängen mitgeschleift. Kein guter Start. Und es kommt noch schlimmer, denn Winfried kann sich weder seine Witze verkneifen, noch die Kritik an Ines Lebensstil. Er verabschiedet sich von seiner Tochter, aber der Abschied ist keinesfalls endgültig, denn Winfried kehrt zurück, als Toni Erdmann. Mit grässlicher Wuselperücke und falschem Gebiss, bricht Toni Erdmann über Ines Leben herein und hält sich vor Niemandem zurück. Anfangs schockiert und sprachlos, beginnt sich Ines allmählich auf das Experiment ihres Vaters einzulassen. Toni gelingt, was Winfried nicht schafft; Er findet einen Weg zu Ines. Mit Bestnoten startete „Toni Erdmann“ in den diesjährigen Wettbewerb von Cannes, die Aufführung ein riesiger Erfolg. Weltpresse und Publikum waren begeistert, warfen mit Superlativen um sich, dann der Schock bei der Preisverleihung; keine Auszeichnung für „Toni Erdmann“. Ein Skandal, zweifellos, denn man liest es überall: Dieser Film ist zum niederknien, eine Offenbarung! Maren Ade erzählt eine feinfühlige, witzige, intelligente und höchst eigensinnige Geschichte über den Kampf der Generationen als liebevoll ironische Herausforderung für beide Seiten. Wie in einem schüchtern startenden Pas de deux kreisen Vater und Tochter umeinander, befehden sich und lieben sich doch. Das ist schmerzhaft ehrlich und peinlich genial, vor allem aber herzzerreißend und aufrichtig.
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Spanien 2016
99 min. FSK 6
Regie
Pedro Almodóvar
Drehbuch
Pedro Almodóvar
Darsteller
Emma Suárez
Daniel Grao
Adriana Ugarte
Verleih
Tobis

Julieta

Almodóvar ist zurück. Mit seinem zwanzigsten Film besinnt sich der Kultregisseur auf seine erfolgreichsten Werke und findet im „Kino der Frauen“ zur alten Form. Julieta (Emma Suárez) lebt scheinbar glücklich und gefestigt mit ihrem Lebensgefährten in Madrid, doch grade als das Paar sich auf einen gemeinsamen Umzug ins Ausland vorbereitet, erreicht Julieta eine Nachricht ihrer Tochter Antia (Blanca Parés). Es ist das erste Lebenszeichen seit vielen Jahren, denn einst verschwand Antia mit achtzehn Jahren, um der Erinnerung eines schweren Verlustes zu entkommen. Julieta glaubte mit ihrer Tochter abgeschlossen zu haben, beschließt dennoch in Madrid zurück zu bleiben und begibt sich, zur Erinnerung, an Orte des gemeinsamen Lebens mit Antia und ihrem Vater Xoan (Daniel Grao). Die Kleinfamilie lebte damals in scheinbar unzerstörbarer Harmonie am Meer, aber die Schatten der Vergangenheit lasteten schwer auf dem jungen Glück von Julieta und Xoan. Beide wurden aus verschiedenen Gründen von Schuldgefühlen geplagt, doch weshalb Antia ihrerseits damals beschloss zu verschwinden, wird Julieta nur langsam klar. Formvollendet und in leuchtend, knalligen Farben knüpft Pedro Almodóvar („Sprich mit ihr“, „Volver“) mit diesem Melodram, das dieses Jahr im Wettbewerb von Cannes uraufgeführt wurde, an seine größten Erfolge an und erzählt einmal mehr, wie es sonst keiner vermag, von den vielschichtigen und verworrenen Emotionen der Frauen. Seine Hochachtung für das zarte Geschlecht bleibt dabei unangefochten und findet in „Julieta“ ein starkes Fundament, denn es geht Almodóvar vor allem um die inneren Konflikte seiner Protagonistin und der Frau im Allgemeinen; ihrer Stellung in der Gesellschaft, die Erwartungen, die an sie gestellt werden, die sie an sich selbst stellt und die Zweifel und Ängste, die mit diesen Aufgaben einher gehen und gerne auch mal hinterfragt werden.
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* in OmU (Original mit dt. Untertiteln)
Frankreich, Deutschland 2016
98 min. FSK 0
Regie
Mia Hansen-Løve
Drehbuch
Mia Hansen-Løve
Darsteller
Isabelle Huppert
André Marcon
Roman Kolinka
Verleih
Weltkino

Alles was kommt

Was passiert, wenn das perfekte Leben auseinander bricht und man die Teile neu zusammen setzen muss? Nathalie (Isabell Huppert, „Die Klavierspielerin“) ist eigentlich sehr glücklich mit ihrem Leben. Sie unterrichtet Philosophie, schreibt ein wenig für einen Verlag, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Ihr Alltag ist durch die Pflege ihrer kranken Mutter Yvette (Edith Scob) zwar etwas stressig, aber sie kommt ziemlich gut zurecht. Sie lässt sich selten aus der Ruhe bringen und fühlt sich in ihrem bürgerlich-intellektuellen Umfeld pudelwohl. Bis zu dem Tag, an dem sie ihren Mann Heinz (André Marcon) mit einer anderen Frau erwischt und ihre Welt ins Wanken gerät. Statt sich davon aber herunter ziehen zu lassen, begibt sie sich mit einem ehemaligen Schüler auf einen kleinen Roadtrip. Sie diskutiert über das Leben, die Liebe und versucht sich konstruktiv mit der nagenden Einsamkeit auseinander zu setzen. Regisseurin Mia Hansen-Løve begibt sich mit ihrer Protagonistin auf eine berührende Sinnsuche, die mit bekanntem französischem Charme und einer ordentlichen Prise Humor aufwartet. Auf der Berlinale 2016 gewann sie dafür sogar bereits den Silbernen Bären für die beste Regie.
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* in OmU (Original mit dt. Untertiteln)
USA 2016
90 min. FSK 12
Regie
Todd Solondz
Drehbuch
Todd Solondz
Darsteller
Greta Gerwig
Zosia Mamet
Julie Delpy
Verleih
Prokino

Wiener-Dog

Wunderbar bizarrer Blick auf die sonderbare Gattung Mensch durch die Augen eines Dackels. Ein kleiner Dackel spielt die Hauptrolle in diesem bezaubernd schrulligen Episodenfilm von Todd Solondz. In vier Episoden verfolgen wir die Reise des tierischen Hauptdarstellers, der dabei doch immer passiv bleibt und viel Platz für die Geschichten seiner neurotischen Nebendarsteller lässt, die alle auf ihre eigene Weise versuchen in diesem absurden Zirkus, den wir Leben nennen, einen Sinn zu finden. Wir erleben Ausschnitte aus dem Leben des kleinen Remi, der den Dackel, nach einem surreal-philosophischen Dialog mit seiner Mutter über das Wesen der Sterblichkeit, direkt in die Tierklinik bringen muss. Dort nimmt sich die nerdige Tierarzthelferin Dawn (Greta Gerwig, „Maggie's Plan“) seiner an, die versucht durch ein zärtliches Intermezzo mit ihrem alten Schulfreund Brandon (Kieran Culkin, „Fargo (Serie)“) mehr Schwung in ihr Leben zu bringen. Weiter geht seine Reise bis zu einer resoluten Großmutter, die ihre verwöhnte Enkelin in einer Szene voller grandios schwarzem Humor auf Gardemaß zurechtstutzt. Diese einzigartig abgründige Tragik-Komödie lässt den Zuschauer das Gefühl kosten, einer unter vielen Suchenden zu sein, ohne dabei die Wichtigkeit und Bedeutsamkeit der Lebenswelt jedes Einzelnen aus dem Auge zu verlieren. Besonders sehenswert!
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11:45
Deutschland, Luxemburg 2016
79 min. FSK 0
Regie
Theresa Strozyk, Tony Loeser
Drehbuch
Jesper Møller
Darsteller
Axel Prahl
Michael Kessler
Ralf Schmitz
Verleih
StudioCanal

Mullewapp

Eine schöne Schweinerei

Moderne Adaption der Kultbücher von Helme Heine. Das Schwein Waldemar (Stimme: Axel Prahl), die Maus Johnny Mauser (Ralf Schmitz) und der Hahn Franz von Hahn (Michael Kessler) leben im gemütlichen und beschaulichen Mullewapp. Waldemars Geburtstag steht vor der Tür und der tortenliebende Eber kann sich kaum noch zusammenreißen vor Spannung, schließlich steht eine mehrstöckige Erdbeer-Schokoladentorte parat und wartet darauf verschlungen zu werden. Doch das feierliche Idyll wird beobachtet von Horst von Borst, einem fiesen Wildschwein, das zusammen mit seiner Rotten-Gang plant, den Bauernhof der drei Freunde zu übernehmen. So schleust er sich hinterlistig ein, indem er einen Unfall vortäuscht und das Wohlwollen der Bauernhofbewohner ausnutzt. Das berühmte Hollandrad der drei Freunde wird von Horst mittels Luftballons zu einem Fluggerät umfunktioniert und schon fliegen die drei Pechvögel gen Himmel. Game Over? Weit gefehlt, denn Waldemar, Johnny und Franz sind hochmotiviert und kreativ was die Rückeroberung ihres geliebten Bauernhofes angeht. Wer die grandiosen und fantastisch illustrierten Kinderbücher von Helme Heine kennt, darf sich diesen Film bedenkenlos ansehen. Die Kinder nicht vergessen, wenn’s ins Kino geht!
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DoFrSaSoMoDiMi
12:30
14:30